Schnee und Eis behinderten die Mineraliensuche im Erzgebirge, aber…

des einen Leid, des anderen Freud (4.4. bis 7.4.2013)

 

Temperaturen um den Gefrierpunkt begleiteten die AWO Mineraliengruppe aus Wendelstein während der vier Exkursionstage im Erzgebirge. Deshalb konnte diesmal mehr für die Bildung als für die Feldarbeit getan werden.

Am Donnerstag um 8 Uhr war Abfahrt und bis 11 Uhr waren wir in St. Egidien auf dem Achatacker.  Ca.10% apere Stellen ließen wenigstens Belegfunde zu. Aber nach kurzer Zeit erschien der Besitzer mit Verstärkung und komplimentierte uns vom Acker. Als Trost gab er uns eine Adresse mit auf den Weg, nämlich einen Ausstellungsraum mit der Geschichte der berühmten Achatfundstelle St. Egidien. Die Ausstellung sahen wir uns dann auch an und konnten so einen umfassenden Eindruck über diese historische Fundstelle mitnehmen. Vielen Dank an die netten Mitarbeiter von der Achatfirma die uns die Ausstellungräume aufsperrten.

Ab Chemnitz begann dann die geschlossene Schneedecke. Deswegen fuhren wir zuerst nach Freiberg um das Krügerhaus zu besichtigen. Hier werden die Mineralien der Deutschen Fundstellen in einer umfangreichen und hervorragenden Sammlung präsentiert. In drei Stunden ist man zwar durch die Ausstellung gegangen, aber um alles genau zu erfassen ist mehr Zeit einzuplanen. Das gilt auch für die „terra mineralia” im Schloss Freudenstein gleich nebenan, welche wir dann auch am Sonntag vor der Heimfahrt etwa drei Stunden lang besuchten. Gegen 19 Uhr trafen wir dann im Quartier in Wiesenbad ein. Nach Abendessen saßen wir noch beim gemütlichen Tagesausklang mit Klopferlatein zusammen.

 

Am Freitag war Treffpunkt um 9 Uhr in der Saigerhütte Olbernhau. Klopferfreund Ralf Göhler aus Olbernhau hatte sich als Führer zur Verfügung gestellt und so konnten wir viel über die einmalige Bedeutung der Saigerhütte Olbernhau/Grünthal - als bauliches und technisches Zeugnis des Hüttenwesens der Buntmetallurgie in Europa erfahren.

Der Hüttenbetrieb wurde 1537 zur Gewinnung des Silbers aus silberhaltigem Schwarzkupfer gegründet. Das Saigerverfahren galt über Jahrhunderte als Spitzenleistung des Hüttenwesens. Die Saigerhütte war gleichzeitig Zentrum der Kupferverarbeitung in Sachsen. Vier Hammerwerke gehörten einst zum Komplex. Das erste Walzwerk arbeitete ab 1847. Eine Besonderheit der hiesigen Fabrikation war das Grünthaler Dachkupfer, welches über 400 Bauwerke, so z.B. die Dresdner Frauenkirche, das Ulmer Münster und der Stephansdom in Wien tragen bzw. trugen. Es zeichnete sich durch seine hohe Qualität aus und überzog sich bereits nach kurzer Zeit mit der grünen Patina.

Danach konnten wir bei Walerie Pankov in Olbernhau Mineralien aus dem Rhodopengebirge bewundern und auch käuflich erwerben. Anschließend gaben wir unsere gefundenen Achate zum Schleifen bei Tristan Roscher in Deutschkatharinenberg ab. Ein Besuch in diesem Schauwerkstätt‘l mit Schleiferei und Holzbildhauerei ist bestens zu empfehlen. Danach hatten wir Zeit uns das verschneite Seiffen in Ruhe und ohne weihnachtliche Feiertagshektik anzusehen.

Gegen 17 Uhr waren unsere Achate geschliffen und poliert und dabei stellte sich heraus, dass Hilde einen tollen Achat in St. Egidien gefunden hatte. Das war auch der Anlass um am Abend auf den Fund des Tages (trotz Schnee) „einen auszugeben”.

Am Samstag um 9 Uhr begann die Einfahrt in den Sauberg in Ehrenfriedersdorf mit Sven und Frank. In 120 m Tiefe herrschte eine Temperatur von 8°C, richtig warm im Vergleich zur Außentemperatur (1° C)

Nach 4 Stunden fuhren wir wieder aus mit einem Rucksack voller Eindrücke und Erfahrungen.

Nach einer Mittagspause und Rucksackverpflegung ging es nach Zschopau zur Grube Hl. Dreifaltigkeit Fundgrube. Niko, Steve und Micha vom befreundeten Bergbauverein Zschopau erwarteten uns bereits.

Im Erbstollen konnten wir dann die Vererzungszonen und Drusen voller Mineralien wie Baryt und Bleiglanz ansehen. Natürlich war ein „Klopfen” hier nicht möglich, weil sich auch noch Generationen nach uns an diesem Naturschauspiel erfreuen sollen. Auf der Halde wurden wir dann aber doch noch fündig.

Im Material eines ausgeräumten Gesenks fanden sich blauer Fluorit, Barytrosen und gelbgrüner Pyromorphit.

 

Am Sonntag gegen 10 Uhr waren wir nochmals am Schlossplatz  in Freiberg. Die Dauerausstellung "terra mineralia" im Schloss Freudenstein beherbergt Mineralstufen aus aller Welt die es noch zu besichtigen gab. Diesen Besuch in Freiberg mit seinen Ausstellungen und der ersten Bergakademie der Welt, sollte jeder Mineralienfreund einmal im Leben gemacht haben.

Auf der Heimfahrt machten wir nochmals an der Johanneszeche im Fichtelgebirge Pause. Auf den schneefreien Äckern entschädigten uns dann einige Bergkristallfunde über die entgangenen Fundmöglichkeiten im Erzgebirge. Gegen 20 Uhr waren wir in Wendelstein zurück

 

Klaus Pusch